Baugeschichte
Fachbegriffe
Gotik
Renaissance
Barock
Klassizismus
Historismus
Neuzeit
Lage
Die Hüxstraße ist eine typische
Lübecker Querstraße in der Altstadt,
die vom Rathausplatz (bzw. der Breiten Straße) als höchsten
Punkt der Stadt hinunter zur Wakenitz (heute Kanaltrave) führt. In
ihrer Verlängerung befindet sich die Hüxtertorbrücke (in
der Nähe ehemals das Hüxtertor), die die Altstadt mit der Vorstadt
verbindet.
Baugeschichte
Im Mittelalter wurden
die Hüxstraße und die umliegenden Straßen von Handwerkern
bewohnt, was man an den relativ schmalen Häusern erkennen kann. Während
in der Hüxstraße die Häuser eine Breite zwischen 5 und
10 Metern haben, so findet man in den früheren Kaufmannsstraßen
auch Häuser mit bis zu 15 Metern Breite. Die Grundstücke sind
ursprünglich mit dem Vorderhaus sowie einem Seitenflügel bebaut.
Oft wird das Grundstück mit einem Querflügel begrenzt, der einen
Innenhof einschließt. Auffallend ist, daß es in der Hüxstraße
nur einen Gang, den Pelzergang, gibt.
Ein weiteres Merkmal
der Lübecker Bauten ist die lückenlose, geschlossene Bebauung
und in der Regel ihre Giebelständigkeit. Die meisten Häuser sind
dreigeschossig, Viergeschossige bilden die Ausnahme, wobei das Erdgeschoß
gegenüber den oberen Geschossen hervorgehoben ist.
In der Hüxstraße
sind alle großen Stilrichtungen
seit dem Mittelalter zu finden. Jedoch gibt es kein Haus, das in seiner
ursprünglichen Form erhalten ist. Die Fassaden haben sich über
die Jahrhunderte mit den Hausbesitzern, ihren wirtschaftlichen Verhältnissen
und der jeweils vorherrschenden Mode und Stilrichtung geändert.
Der überwiegende
Teil der Häuser in der Hüxstraße hat geputzte Fassaden,
nur wenige haben Backsteinfassaden.
Die Sanierung dieser
Häuser ist besonders schwierig, da das Haus über die Zeiten oft
umgebaut wurde und diese Umbauten die Hausgeschichte zeigen. Die Frage
bei jeder Sanierung ist deshalb, welche Stilrichtung oder welche historische
Schicht gezeigt werden soll. Durch Sanierungen wird vor allem versucht,
die Erdgeschosse wieder in einen historischen Zustand zu versetzen, denn
sie zerstören z.T. das Bild der Fassaden.
Folgend ein kurzer
Überblick über die wichtigsten Stilrichtungen in der Hüxstraße:
Gotik
(1250 - 1500)
Das gotische Haus
ist giebelständig. Die Treppenform des Giebels folgt dem steilen Satteldach,
jedoch besteht die Treppe meist nur aus wenigen Stufen. Fenster und Luken,
vorherrschend Doppelluken, befinden sich im Giebelbereich in Blendnischen.
Bekanntestes Merkmal sind die Spitzbögen. Gotische Häuser sind
nur selten verziert.
Beispiele: Häuser
Nr. 32, Nr. 66 und Nr. 128
Renaissance
(1530 - 1650)
Die Renaissance ist
die Weiterführung der Gotik. Die Häuser sind höher, stattlicher
und meist giebelständig gebaut, ab und zu findet man traufständige.
Die Treppenstufen der Giebel sind kleiner. Anstelle der gotischen Doppelluken
treten größere Einzelöffnungen, die Spitzbögen werden
durch runde Bögen ersetzt. Blendnischen sind vorrangig.
Beispiele: Häuser
Nr. 35 und Nr. 58
An diesem Haus kann
man die wesentlichen Elemente der Renaissance erkennen: den treppenförmigen
Giebel, das versteckte Satteldach und die abgerundeten Fensterbögen
und Blendnischen. Rechts daneben ein geschwungener Barockgiebel.
Barock
(Mitte 17.Jh. bis Ende 18.Jh.)
Die Häuser des
Barocks haben einen wohnlichen Charakter, die Luken wurden durch Fenster
ersetzt. Den Menschen wurde der Wohnraum in den Seitenflügel zu klein,
sie breiteten sich im Haupthaus aus. Typisch sind insbesondere die geschweiften
Giebelumrisse und farbig gestrichener Putz.
Beispiele: Häuser
Nr. 37, Nr. 48 und Nr. 131
Klassizismus
(nach 1800)
Der Klassizismus
bezieht sich auf die griechische Antike. Eine rechteckige Form der Fassade,
glatter Putz und Gesimse sind vorherrschend. Das Satteldach ist abgewalmt
und wird hinter einer Brüstungsmauer versteckt.
Beispiele: Häuser
Nr. 39, Nr. 89 und Nr. 96

Neben dem schon oben
abgebildeten Renaissancehaus befindet sich rechts ein Haus aus dem Barock
(geschwungene Formen) und drei klassizistische Bauten, mit rechteckiger
Form, Brüstungsmauer und Gesimsen.
Historismus
(um 1900)
Im Historismus wurde
eine Vielzahl von verschiedenen Stilelementen, z.B. Gotik, Renaissance
oder Barock, zusammengesetzt. Die Häuser sind oft größer
und höher als in den vorangehenden Epochen.
Beispiele: Häuser
Nr. 22-24 und Nr. 91-93
Neuzeit
(ab 1945)
Diese Häuser
brechen fast immer mit den historisch überlieferten Grundstücksbreiten
sowie den Höhen. Ein Brechen mit den historischen Traditionen ist
zu bemerken. Traufständigkeit und eine Reduzierung der formalen Elemente
(z.B. Verzicht auf Fensterteilungen, Erker, Zwerchgiebel) sind vorherrschend.
Beispiele: Häuser
Nr. 1-9 und Nr. 118-120
Fachbegriffe
abwalmen -
Der Giebel des Satteldachs wird nach hinten abgeschrägt.
Blendnischen - zurückgesetzter,
rahmender Mauerteil
Gesims - aus der
Mauer hervortretendes horizontales Gliederungselement
giebelständig
- Das Haus steht mit dem Giebel zur Straßenseite.
Satteldach
- spitzes Dach
traufständig
- Das Haus steht mit der Traufe, also der Breitseite zur Straße.
Zwerchgiebel
- kleinerer Giebel in einem Satteldach
Bearbeitet von Jan P.
Lübeck, im April 1999

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